Beratung richtig abrechnen

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Wann wird die Beratung zur Erörterung? Wie oft kann ein intensives Patientengespräch abgerechnet werden? Abrechnungsexperte Dieter Jentzsch geht ins Detail.

Die Zahl der in der GOÄ aufgeführten Beratungsziffern ist sehr übersichtlich.
Werden Patienten nur kurz beraten, kommt lediglich Ziffer 1 in Frage. Für Beratungen > 10 Minuten ist Ziffer 3 vorgesehen, die aber besonderen Regeln unterliegt.

Zu den GOÄ-Positionen 33 und 34 können Ärzte deutlich seltener greifen. Das liegt einesteils daran, dass es sich um Erörterungen handelt, anderenteils sind Mindestzeiten vorgegeben, damit eine dieser Positionen überhaupt angesetzt werden darf.

33 oder A 36?

Im Gegensatz zur „Beratung“ bedeutet „Erörterung“ aber, dass Ärzte und Patienten medizinische Fakten, Prognosen, Verläufe und mögliche Optionen ganz intensiv miteinander besprechen. Um Ziffer 33 oder A 36 abrechnen zu können, muss die Erörterung mindestens 20 Minuten andauern.

An der Ziffer 33 werden Problem und Chance deutlich: Ziffer 33 kann laut ihrer Leistungsbeschreibung ausdrücklich nur „bei Diabetes, Gestationsdiabetes oder Zustand nach Pankreatektomie“ angesetzt werden. Dafür wird bei einer Mindestdauer von 20 Minuten wird meist ein Honorar von etwas über 40 € zum 2,3-fachen GOÄ-Satz fällig, liegen Steigerungsgründe vor, ergeben sich bis zu 61,20 €. Darin enthalten ist eine Einzelschulung nach einem strukturierten und evaluierten Programm. Nur bis zu dreimal pro Jahr kann Ziffer 33 abgerechnet werden.

Diese Form der Erörterung wird inzwischen auch bei Asthma bronchiale und Hypertonie eingesetzt. Das bedeutet für das Honorar, dass entsprechend § 6 Abs. 2 eine Analogposition geschaffen werden konnte. Dafür hat die BÄK eine mit Ziffer 33 gleichwertige Position vorgeschlagen: GOÄ A36. Die Ziffer „A36“ ist zwar in keiner Ausgabe der GOÄ zu finden, aber trotzdem eine der am häufigsten verwendeten Analogbewertungen.
Ihr Wert ist dem der Ziffer 33 gleich und sie darf ebenfalls nur dreimal pro Jahr berechnet werden.

Gibt’s mit der 34 denn nur Ärger?

Die lange Leistungsbeschreibung dieser Ziffer hilft, sie punktgenau einzusetzen. Zu erörtern sind die Auswirkungen auf die Lebensgestaltung des Patienten im Fall einer nachhaltig lebensgefährdenden oder –verändernden Krankheit. Mindestens 20 Minuten (gleich bewertet wie Ziffer 33) muss das Gespräch dauern. Und es muss sich mit der Feststellung einer solchen Krankheit bzw. einer nachhaltigen Verschlimmerung befassen.

Die Leistung kann pro Arzt berechnet werden, mit dem der Patient über sein Leiden spricht.
Wer behauptet, die Ziffer dürfe ausschließlich bei lebensgefährdenden Krankheiten eingesetzt werden, irrt. Hier ist großer Wert auf das „oder“ im Leistungstext zu legen.
So sind zum Beispiel auch heute gut beherrschbare chronische Erkrankungen (sh. oben Hypertonie, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen pp.) nachhaltig lebensverändernd – wenn auch nicht immer akut lebensgefährdend. Wenn Ärzte mit ihren Patienten größere Operationen eingehend erörtern, kommt Ziffer 34 ebenfalls in Frage.
Vor jede OP ein Gespräch nach Ziffer 34 zu setzen wäre verkehrt – niemand muss wegen eines Hallux valgus > 20 Minuten lang aufgeklärt werden. Allerdings birgt bereits eine TEP nicht nur Risiken, sondern ihr Ergebnis kann nachhaltig lebensverändernd sein.

Immerhin ist es möglich, sie innerhalb von sechs Monaten höchstens zweimal abzurechnen. So wird sichergestellt, dass diese Erörterung bei schwer kranken Patienten bis zu viermal im Jahr angesetzt werden darf. Auch bei Ziffer 34 ist es möglich, sie bei höherer Schwierigkeit (z.B. Multimorbidität), großem Zeitaufwand (Dauer wesentlich über 20 Minuten) oder besonderen Umständen (Gespräche mit mehreren Bezugspersonen) bis zum 3,5-fachen GOÄ-Satz mit 61,20 € abzurechnen.

Ein deutlicher Unterschied ist zwischen einer „echten 34“ und dem OP-Aufklärungsgespräch durch die Anästhesie zu machen. Letzteres kann allenfalls als Ziffer 3 berechnet werden.

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.