Beratung & Fremdanamnese: GOÄ 1 und/oder 4?

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Die GOÄ Ziffer 1 beschreibt die am häufigsten abgerechnete ärztliche Leistung überhaupt – die Beratung. Was aber kann eigentlich abgerechnet werden, wenn für die Behandlung eines Patienten zusätzliche Gespräche mit Dritten nötig sind? In diesen Fällen greift Ziffer 4, die Fremdanamnese. So rechnen Sie richtig ab.

GOÄ 1: Bedingungen

Für den Ansatz der Ziffer 1 GOÄ müssen die Patienten selbst beratbar sein. Das bedeutet, dass sie selbstständig Beschwerden schildern, die Gesprächsinhalte begreifen und die erteilten ärztlichen Ratschläge, umsetzen können, z. B. durch Einnahme verordneter Medikamente oder durch Befolgen der Anweisungen.

Beratung bei Kindern

Am Beispiel von Pädiatern wird deutlich, dass sich die ärztliche Beratung bei Säuglingen und Kleinkindern sowie Kindern bis hinauf zum Schulalter normalerweise nur an eine erwachsene Begleitperson richtet. Deshalb kann bei gewöhnlichen Beratungen von Kindern in diesen Altersstufen regelmäßig nur die Nummer 1 GOÄ angesetzt werden.

Trotzdem kann es vorkommen, dass in die Behandlung von kleineren Kindern weitere Erwachsene einzubinden sind. Das wäre der Fall, wenn Ärzte bei Bezugspersonen Angaben für die weitere Behandlung des Kindes einholen oder sie instruieren. Dafür kann dann einmal im Behandlungsfall die GOÄ-Ziffer 4 berechnet werden.

GOÄ 1 und 4 kombinieren

Es gibt Möglichkeiten, die GOÄ Ziffern 1 und 4 gemeinsam anzusetzen. Wenn am selben Tag oder im selben Behandlungsfall an unterschiedlichen Tagen Patienten persönlich beraten werden und Sie sich als Arzt dafür entscheiden, Bezugspersonen durch Befragen oder Übermitteln von ärztlichen Anweisungen einzubeziehen, kann dafür Ziffer 4 berechnet werden. Dies ist nicht auf Familienangehörige beschränkt.

Ärzte unterweisen häufig das Personal von Pflegestationen oder anderen Betreuungseinrichtungen bezüglich einzelner Patienten. Auch hierfür ist zu den Leistungen beim Patienten selbst (oft sind dies Besuche nach Ziffer 48 oder 50 pp) der Ansatz der Ziffer 4 möglich.

Berechnung von GOÄ 4

Die Ziffer GOÄ 4 kann im Behandlungsfall nur einmal berechnet werden. Werden im selben Behandlungsfall mehrere Bezugspersonen unterwiesen oder geführt, ist dies mit dem einmaligen Ansatz der Ziffer 4 abgegolten.

Ziffer GOÄ 4 kann, wie alle so genannten „ärztlichen Leistungen“, mit einem zwischen dem 1,0 und 3,5-fachen Honorarsatz berechnet werden. Die nötigen Begründungen dafür sind unter Hinweis auf die drei ausschließlichen Begründungskriterien:

  • Zeitaufwand
  • Schwierigkeit
  • Umstände bei der Ausführung,

bezogen auf den konkreten Einzelfall in der Liquidation anzugeben.

Nicht GOÄ-4-konform: der Übersetzer

Russisch, Italienisch oder Arabisch können Sie nicht fließend? Gut, wenn ein Übersetzer dem Patienten zur Seite steht. Dafür kann GOÄ 4 jedoch nicht angesetzt werden, weil ein Übersetzer, vergleichbar mit einer technischen Hilfe, Ärzten lediglich ermöglicht, ihre Leistungen vollständig zu erbringen. Aber: Selbst mit einem guten Dolmetscher dauert das Patientengespräch länger. Deshalb können Sie dieses unter Hinweis auf den größeren Zeitaufwand durch den Dolmetscher mit einem erhöhten Faktor in Rechnung stellen.

Fazit

Anders als häufig angenommen, kann Ziffer 4 nicht ausschließlich im Zusammenhang mit lebensbedrohlichen Krankheiten oder schwer kommunikationsgestörten Patienten angesetzt werden (vgl. Ziffer 34 GOÄ). Es bleibt dem ärztlichen Ermessen überlassen, ob es medizinisch notwendig ist, im Rahmen einer Behandlung die Fremdanamnese einzusetzen.

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen
Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.