Patient sagt Termin nicht ab – Ersatz für das entfallene Honorar?

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Verschwitzt, vergessen, nicht abgesagt: Nicht wahrgenommene Termine haben für Praxen finanzielle Konsequenzen. Neben dem nun nicht erwirtschafteten Arzthonorar geht es auch um Personal- und Raumkosten. Über eine vertragliche Vereinbarung können Sie unzuverlässige Patienten in die Pflicht nehmen.

Ein dauerhaftes Problem in Arztpraxen ist es, wenn Patienten zu fest vereinbarten Terminen ohne Angabe von Gründen nicht erscheinen oder sie allzu kurzfristig absagen. Gerade bei ambulanten Operationen und hoch spezialisierten Diagnoseverfahren steht dann häufig ein Praxisteam bereit und es kommt zum Leerlauf, der wirtschaftlich nur schwer abzufangen und auch für das Arbeitsklima schädlich ist. Dann steht Ärger mit dem Patienten vor der Tür. Der ist häufig umso größer, wenn Sonderwünsche des Patienten im Terminplan bereits ihre Spuren hinterlassen haben.

Bestellpraxen im Vorteil

Erfahrungsgemäß ist es für Inhaber von Bestellpraxen leichter, Ausfallhonorare geltend zu machen. So sind bei Psychiatern und Psychotherapeuten meist feste Zeiträume für einen einzigen, ganz bestimmten Patienten reserviert. Dann sind gar keine weiteren Patienten in der Praxis. Das übliche Gegenargument, während des „ausgefallenen“ Termins hätten andere Patienten früher oder schneller behandelt werden können, ist in der reinen Bestellpraxis leichter zu entkräften. Ärzte müssen ansonsten belegen, dass sie in der reservieren Zeit keine anderen Patienten behandeln konnten. Die dafür eingenommenen Honorare mindern nämlich einen errechneten Schaden.

Ausfallhonorar in der GOÄ nicht vorgesehen

Problematisch ist, dass in der GOÄ als einziger Abrechnungsgrundlage gegenüber Selbstzahlern gar keine Leistung für nicht wahrgenommene Termine zu finden ist. Gleich, ob und wie ein Patient versichert ist: Für einen ausgefallenen Termin kann nicht auf die GOÄ zurückgegriffen werden. Umgekehrt heißt es in der GOÄ unter § 4 Abs. 2a sogar „Die Rufbereitschaft sowie das Bereitstehen eines Arztes oder Arztteams sind nicht berechnungsfähig“. Gebühren können nämlich nur für erbrachte ärztliche Leistungen berechnet werden, die in der GOÄ aufgelistet sind. Wird keine Leistung erbracht, kann auch keine abgerechnet werden. Eine manchmal ausprobierte Variante, dann eine Verweilgebühr nach GOÄ 56 mehrfach in Rechnung zu stellen, bleibt schon aus diesem Grund erfolglos. Ist der Patient nicht in der Praxis erschienen, kann auch kein Arzt bei ihm verweilen. Auch eine Analogbewertung scheidet aus den genannten Gründen aus.

Ausfallhonorare sind allerdings heute nicht mehr selten. Dazu sind schriftliche Verträge mit den Patienten nötig, wenn es aufgrund unterschiedlichster Gerichtsurteile zu dem Thema auch keine Garantien dafür gibt.

Säumnisgebühr und Termin schriftlich fixieren

Ärzte, die planbare Eingriffe häufig durchführen, sollten vorsorgen. Vereinbaren Sie mit den Patienten für den Fall einer solchen Terminabsage schriftlich, ob und welche Entschädigung fällig wird. Bleibt ein Patient dem Termin dann fern oder unterschreitet er die vereinbarte  Absagefrist, wird die zuvor vereinbarte Entschädigung fällig.

Dafür sollte genau festgelegt werden, an welchem Tag und zu welcher Zeit der Termin stattfindet. Darüber hinaus sollte eine Frist genannt werden, in welcher der Patient noch absagen kann, ohne ein Ausfallhonorar zahlen zu müssen. Hauptsache dabei ist die Vereinbarung mit dem Patienten, dass er für den ausgefallenen Termin an den Arzt einen Betrag von „xxx €“ zu zahlen hat.

Verträge Marke Eigenbau sind riskant

Ärzte, die grundsätzlich über schriftlich vereinbarte Ausfallhonorare nachdenken, sollten sich darüber von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Nur mit soliden schriftlichen Verträgen sinkt die Gefahr von Honorareinbußen, die durch nicht oder verspätet abgesagte Behandlungstermine entstehen.

Dieter Jentzsch
Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.