Keine Abwesenheit ohne Vertretung

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  • Rechtstipp

Viele, auch unvorhersehbare Situationen erfordern eine Auszeit von der Arbeit. Damit Sie Ihre Praxis und Patienten auch während Ihrer Abwesenheit in guten und (rechts-)sicheren Händen wissen, erklärt Ihnen Volker Wurm, welche Vertretungsregelungen zu beachten sind.

Kein „Kann“, sondern ein „Muss“

Krankheit, Urlaub oder eine medizinische Fortbildung – es gibt viele, auch unvorhersehbare Situationen, welche die ärztliche Einsatzbereitschaft stören und somit unter Umständen zu einer längeren Abwesenheit führen können. In solchen Fällen gilt es, eine Vertretung zu regeln.

Dabei geht es nicht um die Frage „Ob“ man sich vertreten lässt, sondern um die Frage „Wie“ man die Vertretung regelt. Denn mit der kassenärztlichen Zulassung übernimmt man auch einen Versorgungsauftrag. Die Kassenärztliche Vereinigung fasst hierzu Folgendes zusammen:1

„Können Vertragsärzte und ärztliche Vertragspsychotherapeuten nicht in der Praxis sein, muss ein anderer Arzt oder ärztlicher Psychotherapeut in der Nähe für die Zeit der Abwesenheit die Patienten behandeln.“

Die Schließung der Praxis ist also mit einer kassenärztlichen Zulassung nicht einfach so zulässig.  Ist eine Vertretung gefunden, muss diese, bei einer Vertretungsdauer ab einer Woche, der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung mitgeteilt werden. Bei Zeiträumen von weniger als einer Woche entfällt die Mitteilungspflicht gemäß § 32 Abs.1 S.4 Ärzte-ZV.

Wer darf vertreten?

Grundsätzlich gibt es 2 klassische Vertretungsarten, die vor allem zivilrechtlich, aber auch haftungsrechtlich zu unterscheiden sind: Die kollegiale und die ärztliche Vertretung.

Die kollegiale Vertretung

In Einzelpraxen findet die kollegiale Vertretung in der Regel außerhalb der Praxis des Vertretenen, in zumutbarer Entfernung für die Patienten, statt. Auch in Berufsausübungsgemeinschaften und Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) wird diese überwiegend gelebt. Hier geschieht der Übergang aber eher fließend und ist für den Patienten häufig kaum spürbar.

Die kollegiale Vertretung kennzeichnet sich vor allem dadurch, dass ein eigenes Behandlungsverhältnis zwischen Vertreter und Patient entsteht. Der Vertreter darf alle Leistungen erbringen, die zu seinem Leistungsspektrum gehören und diese anschließend entsprechend abrechnen. Privatpatienten gehen direkt einen privatärztlichen Behandlungsvertrag mit dem Vertreter ein und kassenärztlich erbrachte Leistungen werden direkt über das kassenarztrechtliche Budget des Vertreters abgerechnet.

Die einzig bestehende Voraussetzung für diese Art der Vertretung ist, das Bestehen von Fachgebietsidentität bzw. Fachgebietsverwandtschaft.

Ärztliche Haftung bei kollegialer Vertretung

Bei einer kollegialen Vertretung ist eine direkte Haftung zwischen Vertreter und Patient gegeben. Allerdings muss hier natürlich einzelfallbezogen immer geprüft werden, inwieweit hier eine „Mitbehandlung“ und damit ein Einbinden in Behandlungspflichten, wie Dokumentation, Abklärung von (Zweit-)Diagnosen u. ä. in Frage kommt.

Eine zivilrechtliche Vereinbarung zwischen Vertreter und Vertretenem ist nicht zwingend notwendig. Die Vereinbarung zwischen unterschiedlichen Praxen erschöpft sich zumeist in einer mündlichen Absprache von urlaubs- oder krankheitsbedingten Schließungen und wird den Patienten per Aushang und durch die Ansage auf dem Anrufbeantworter mitgeteilt.

Die Ärztliche Vertretung

Die ärztliche Vertretung ist im Gegensatz dazu deutlich komplexer. Selbst bei einer kurzfristigen, nicht anzeigebedürftigen Vertretung, wird man einen zivilrechtlichen Vertrag schließen, welcher die Bedingungen regelt – die Schriftform ist nicht zwingend notwendig.

Es empfiehlt sich, bei Vertretungen über den Zeitraum von 1 Woche und darüber hinaus, eine schriftliche Vereinbarung zu treffen. Folgende Punkte sollten darin klar geregelt werden:

  • Klare Vergütungsregelung
  • Zahlungsmodalitäten
  • Haftung und Versicherungsnachweis
  • nachvertragliches Verhalten
  • Kündigung / Beendigung des Vertrages

Volker Wurm
Justiziar der advomedic GmbH