GOÄ in der Praxis: Honorar, Auslagen und Hygienepauschale

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Die Kosten für Arztpraxen sind durch Corona deutlich gestiegen. Damit stellt sich die Frage, was nun mit dem Honorar, was mit § 10 und der GOÄ-Position A 245 abgegolten ist.

Die BÄK hat gemeinsam mit dem PKV-Verband und den Beihilfekostenträgern ihre Analog-Abrechnungsempfehlung bis zum 30.09.2021 verlängert. Mit dem Ansatz der Analogziffer A 245 soll der Mehraufwand der Praxen für zusätzliche Hygienemaßnahmen bei jedem direkten Arzt-Patientenkontakt im ambulanten Bereich abgegolten werden.

In der COVID-19-Situation gibt es seit März 2020 die zeitlich begrenzte Möglichkeit, einen Pauschalbetrag – dieser Begriff ist in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ansonsten verpönt – für den zusätzlichen Hygieneaufwand gegenüber Selbstzahlern abzurechnen. Die GOÄ selbst bleibt durch diese Option unangetastet. Deshalb können Ärzte nach wie vor zwischen der „A 245“ und dem Auslagenersatz nach § 10 GOÄ wählen. Es muss nur gewährleistet sein, dass die Hygienekosten nicht doppelt berechnet werden.

Anwendungsbeispiel

Am 1. November 2020 wird ein Patient beraten, gründlich untersucht und es wird ein Belastungs-EKG durchgeführt.
⇒ Ziffer 1, 7, A 245, 652.

Das Belastungs-EKG ist bei dem Patienten wegen erheblicher Vor- und Begleiterkrankungen schwieriger zu überwachen und zu beurteilen. Das EKG zeigt zahlreiche eher untypische Ausschläge. Die Auswertung ist darum aufwändig. Das EKG kann deshalb, unabhängig vom (für die eigentliche Konsultation) berechneten Hygienezuschlag, mit der oben skizzierten medizinischen Begründung bis zum 3,5-fachen GOÄ-Satz liquidiert werden.

Hygienepauschale und Steigerungsmöglichkeiten nach § 5 GOÄ existieren unangetastet nebeneinander. Allerdings kann eine Leistung dann nicht mit dem Hinweis auf den Hygieneaufwand höher abgerechnet werden, wenn gleichzeitig A 245 angesetzt wurde.

Alle sonstigen Auslagen nach § 10 GOÄ bleiben von der Hygienepauschale A 245 unberührt. Gerade in der Pandemiesituation fallen bei einzelnen Patienten Auslagen an, die zusätzlich berechnet werden dürfen.

Gutes Beispiel ist die OP-Maske, die auch durch GOÄ § 10 Abs. 2 nicht ausgeschlossen ist. Tragen allerdings beim Gespräch Arzt und Patient Atemschutzmasken, müssen die Ärzte sich entscheiden, ob sie das über A 245 oder den Auslagenersatz nach § 10 abbilden wollen. In jedem Fall zählt nur der Einkaufspreis der einzelnen Auslage.

Denken Sie an den zulässigen Ersatz der Auslagen

Seit dem 1. Oktober 2020 liegt der Wert der A 245 mit nur noch 6,41 € deutlich unter den vorherigen 14,75 €. Deshalb kann auch daran gedacht werden, ganz darauf zu verzichten. Das fällt beispielsweise dann leicht, wenn besondere Umstände als Kriterium des § 5 GOÄ für die Anwendung eines höheren Faktors aufgetreten sind. Muss nämlich ein Patient zeitaufwändig über die Corona-Gefahren aufgeklärt oder von den Hygienemaßnahmen der Praxis überzeugt werden, können je nach Ablauf die erbrachten Leistungen selbst mit einem höheren Faktor berechnet werden. Ein dadurch erzieltes Mehrhonorar liegt meist deutlich über 6,41 €. Selbstverständlich ist, dass der Begründungstext in der Rechnung den Tatsachen und dem Ablauf der Behandlung entspricht.

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.