Die vielen Wege der „Beratung“

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Die Zahl der Beratungsziffern in der in die Jahre gekommenen GOÄ ist übersichtlich. Die Wege der Kommunikation zwischen Ärzten und ihren Patienten dafür vielseitig. Abrechnungsexperte Dieter Jentzsch erklärt, wie solche Leistungen in der GOÄ abgebildet sind und damit umzugehen ist.

Grundsätzlich wird für eine kurze persönliche Beratung, „auch mittels Fernsprecher“, die Ziffer 1 abgerechnet. Für Beratungen von mehr als 10 Minuten ist Ziffer 3 vorgesehen, die aber besonderen Regeln unterliegt.

Abgesehen vom „Fernsprecher“ werden auch per E-Mail oder Chat Fragen gestellt und ärztliche Auskünfte gegeben. Hier gilt ebenfalls der Rahmen der GOÄ.

Kommunizieren Ärzte und Patienten in Form von „Frage und Antwort“, findet im Grunde kein Beratungsgespräch statt. Es erweist sich dennoch als praktikabel, dafür pro Inanspruchnahme die Ziffer 1 abzurechnen. Bei einem derartigen Informationsaustausch beinhaltet die Beratungsgebühr immer mehrere Fragen und Antworten zur selben Erkrankung. So, wie auch in der Sprechstunde.

Dauert die gemeinsame Sitzung am PC, zum Beispiel, wegen der vielen Fragen des Patienten, mehr als zehn Minuten, ist auch der Ansatz einer 3 gerechtfertigt. Die Kosten für den Einsatz der Technik sind allerdings als Praxiskosten mit dem Honorar abgegolten.

Auf die Ziffern 33 und 34 können Ärzte deutlich seltener zurückgreifen. Das liegt einerseits daran, dass es sich um Erörterungen handelt, andererseits sind Mindestzeiten vorgegeben, damit eine dieser Positionen überhaupt angesetzt werden darf.

Ziffer 33 – alternativlos?

Im Gegensatz zur „Beratung“ bedeutet „Erörterung“, dass Ärzte und Patienten medizinische Fakten, Prognosen, Verläufe und mögliche Optionen intensiv miteinander besprechen. Um Ziffer 33 abrechnen zu können, muss die Erörterung mindestens 20 Minuten andauern.

An der Ziffer 33 werden Problem und Chance deutlich: Die Originalversion der Ziffer 33 beschränkt die Schulungen auf Diabetes, Gestationsdiabetes und Zustand nach Pankreatektomie und darf nur bis zu dreimal pro Jahr abgerechnet werden.

Darauf folgt häufig die Frage, wie spezielle Schulungen von Einzelpersonen mit einer Zeitdauer von mindestens 20 Minuten berechnet werden können. Diese Form der Erörterung wird inzwischen bei Asthma bronchiale und Hypertonie eingesetzt.

Analogbewertung Ziffer A36

Dies ist der klassische Ansatzpunkt für eine sogenannte Analogbewertung, denn nach § 6 der GOÄ dürfen (noch) nicht ins Gebührenverzeichnis aufgenommene neue Leistungen entsprechend einer vorhandenen GOÄ-Position bewertet werden.

Der GOÄ-Ausschuss der Bundesärztekammer hat für mindesten 20-minütige strukturierte Schulungsgespräche bei Hypertonie und Asthma bronchiale die analoge Bewertung „A36“ vorgeschlagen. Ihr Wert ist dem der Ziffer 33 gleich und sie darf ebenfalls nur dreimal pro Jahr berechnet werden.

Die Ziffer „A36“ ist zwar in keiner Ausgabe der GOÄ zu finden, aber trotzdem eine der am häufigsten verwendeten Analogbewertungen.

Gibt’s mit der 34 denn nur Ärger?

Die lange Leistungsbeschreibung dieser Ziffer hilft, sie punktgenau einzusetzen. Für eine bessere Übersicht der vielen Bedingungen, hier die wesentlichen Details:

  • Die „Erörterung“, die den Ansatz der 34 auslöst, ist keine klassische Beratung.
  • Mit den Patienten werden die vorliegende Diagnose, bevorstehende Eingriffe, mögliche Begleiterkrankungen, vor allem aber die Auswirkungen der Krankheit auf die Lebensgestaltung besprochen. Die Mindestgesprächsdauer von 20 Minuten ist unbedingt zu beachten.
  • Es muss sich um eine lebensbedrohliche oder nachhaltig lebensverändernde Erkrankung handeln. Hier ist das Wort „oder“ im Verordnungstext besonders zu unterstreichen. Die Erkrankung muss nicht sowohl lebensbedrohlich als auch nachhaltig lebensverändernd sein. Eines der beiden Kriterien genügt.
  • Der geforderte „unmittelbare Zusammenhang“ ist nicht zeitlich, sondern inhaltlich zu sehen. Jeder Arzt, der erstmals oder mehrmals mit der konkreten Krankheit des Patienten zu tun hat und diese Erörterung vollständig erbringt, kann die 34 zweimal innerhalb von sechs Monaten abrechnen.

In Ziffer 34 kann inbegriffen sein, dass ein operativer Eingriff erörtert wird. Falls eine Operation geplant ist, gehört die Diskussion zu Risiken und Konsequenzen des Eingriffes bekanntlich schon aus berufsrechtlichen Gründen dazu. Allerdings ist das fakultativ und bedeutet nicht, dass Ziffer 34 nur dann berechnet werden kann, wenn es um einen operativen Eingriff geht. Wird ein solcher allerdings geplant und besprochen, so kann dafür zusätzlich zu Ziffer 34 nichts berechnet werden. Im selben Satz steht auch die „Einbeziehung von Bezugspersonen“. Eine Ziffer 34 kann auch dann anfallen, wenn gar keine Bezugspersonen einzubeziehen waren.

Auch die weiteren Kriterien, die für eine Höherbewertung bis zum 3,5-fachen GOÄ-Satz mit 61,20 € herangezogen werden können, kommen bei Ziffer 34 grundsätzlich infrage (Schwierigkeit, Zeitaufwand, Umstände bei der Ausführung).

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen
Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.