Orthopädie: Auslagenersatz und ambulante Zuschläge

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Niedergelassene Orthopäden und Unfallchirurgen arbeiten in einem Bereich, in dem es sich lohnt, besonders die nach GOÄ § 10 berechenbaren Auslagen und die Zuschläge nach Abs. C VIII aus dem Ziffernkatalog der GOÄ im Auge zu behalten.

Die Bandbreite von Leistungen, bei denen hohe Auslagen anfallen ist sehr groß. Wer dieses Thema nebensächlich behandelt, läuft Gefahr, viel Geld zu verlieren bzw. bei verschiedenen Auslagen sogar Defizite zu erwirtschaften. Zunächst gilt, dass „Kosten für diejenigen Arznei- und Verbandmittel (…) die der Patient zum weiteren Verbrauch behält oder die mit einer einmaligen Anwendung verbraucht sind (…)“ zusätzlich zum Honorar für die erbrachten ärztlichen Leistungen berechnet werden dürfen.

Auslagen bei Orthopäden

Ob es sich um verschiedenartige Verbände handelt, bei denen noch zu differenzieren ist zwischen Gips oder Kunststoff, um Anästhetika oder injizierte bzw. infundierte Medikamente – wer das Thema „Auslagen“ zu wenig beachtet, läuft Gefahr, auf Dauer unnötige Verluste in diesem Sektor zu produzieren.

Die Unsicherheit auf diesem Gebiet führt gelegentlich zu kuriosen Ergebnissen. So wurde eine Zeit lang behauptet, die Berechnung von Auslagen und der gleichzeitige Ansatz eines Zuschlags nach Abs. C VIII würden sich gegenseitig ausschließen. Deshalb gehen wir in diesem Beitrag beiden Fragen getrennt nach, ohne ihren Zusammenhang zu vernachlässigen.

Praxisbeispiel aus der orthopädischen Unfallchirurgie

Vorliegend war nach Lokalanästhesie (491) eine große Wunde per Naht zu versorgen (GOÄ 2004), Simultanimpfung (378), zusätzlich Schienenverband. Der Anteil der Auslagen ist verglichen mit dem ärztlichen Honorar erheblich.

Leistung Honorar 2,3-fach Auslage Ø
491 16,22 € 2,23 €
2004 32,17 € 9,40 €
378 16,09 € 12,00 €
212 21,45 € 10,11 €
200 0,00 € 1,19 €
Summen 85,93 € 34,93 €*

Die GOP 200 ist ohne Honorar dargestellt, weil sie in diesem Fall nicht neben 2004 berechnet werden kann. Da allerdings die Auslagen, hier 1,19 €, entstanden sind, dürfen sie auch ohne den Ansatz der zugrundeliegenden GOÄ-Position berechnet werden.

* Beträge geschätzt

Viele Orthopäden erbringen auch ambulante Schmerztherapie. Deshalb sollte nicht vergessen werden, die Anästhetika zu berechnen.

Oftmals sind die ausgelegten Beträge in der Orthopädie besonders hoch. Teure Materialien für Kunststoff- oder Castverbände, Substanzen, die injiziert oder infundiert werden sollen oder Anästhestika zum Zweck einer Schmerztherapie müssen von Ärzten nicht immer in größeren Mengen bevorratet werden, wenn Eingriffe oder auf Dauer angelegte Therapien planbar sind. Es empfiehlt sich, diese Auslagen dann zu rezeptieren, die Patienten erwerben die Materialien und Medikamente in der Apotheke selbst, sodass Ärzte nur einen geringen Lageraufwand dafür haben und sich die ärztliche Liquidation auf das pure Arzthonorar beschränkt.

Katalog „C VIII“

Die angewandte Medizin hat sich in den Jahrzehnten, in denen die GOÄ gilt, stark verändert. Bisher fast ausschließlich stationär erbrachte Leistungen wurden mehr und mehr ambulant durchführbar. Um die damit verbundenen Investitionen in ambulante OP-Einheiten zu fördern und den Patienten den Zugang zu diesen Leistungen zu erleichtern, wurde 1996 der sehr umfangreiche Katalog „C VIII“ in die GOÄ eingefügt. Für alle dort aufgezählten Leistungen werden Zuschläge nach den GOÄ-Ziffern 440-445 bezahlt.

Schmerztherapie als „operative Leistung“

Hinzu kommen Zuschläge für ambulante Anästhesien nach den Ziffern GOÄ 446 und 447. Diese werden pauschal den anästhesiologischen Leistungen des Abschnitts „D“ der GOÄ mit > 200 Punkte zugeordnet. Damit zählen auch Leistungen im Rahmen der Schmerztherapie als „operative Leistungen“ und die Zuschläge nach den Ziffern 446 und 447 können angesetzt werden.

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.