Gleiche Leistung – mehr Honorar? Wann mehr abrechnen richtig ist

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

In der GOÄ regelt der § 5, dass unterschiedliche ärztliche Leistungen zwischen dem 1,0- und dem 3,5-fachen oder zwischen 1,0 und dem 2,5-fachen Honorarsatz abgerechnet werden dürfen. Gleiches gilt für Laborleistungen, deren Honorare zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen GOÄ-Einfachsatz liegen. Wann ist der höhere Faktor gerechtfertigt?

Zunächst ist zwischen „ärztlichen, technischen und Laborleistungen“ zu unterscheiden. Die drei genannten Kategorien bedeuten, dass bei ärztlichen Leistungen ab dem 2,3-fachen, bei technischen Leistungen ab dem 1,8-fachen und für Laborleistungen ab dem 1,15-fachen Honorarsatz eine Begründung erforderlich wird, um die genannten Mittelwerte zu überschreiten.

Die 3 Kriterien für ein höher zu bemessendes Honorar

  • Schwierigkeit im medizinischen Sinn (die auch in der Schwere der Erkrankung des Patienten insgesamt liegen kann)
  • ein größerer Zeitaufwand
  • besondere Umstände bei der Ausführung der Leistung/en

Falsche Scheu ist unangebracht

Ärzte berichten immer wieder von Problemen mit Kostenträgern, die über Patienten an sie herangetragen werden. Dennoch gilt: Der Ansatz höherer Faktoren in der GOÄ ist ausdrücklich vorgesehen. Deshalb sollten Ärzte diese Möglichkeiten auch nutzen, denn sonst besteht die Gefahr, dass sie „mangels Interesse/ Notwendigkeit“ verringert werden oder ganz wegfallen.

Richtig begründen – 3 Beispiele

Die folgenden Beispiele bebildern die zugelassenen Kriterien:

  • Schwierigkeit: Sie versorgen eine kleine Wunde, die sehr stark verschmutzt ist, mit einer Naht. Durch die Art der Verschmutzung sind die Sichtverhältnisse erheblich erschwert.
  • Besondere Umstände bei der Ausführung: Ein Patient ist nach einem Unfall eingeklemmt, bei Bewusstsein und hat starke Schmerzen. Während die Feuerwehr ihn befreit, verabreichen Sie die erforderlichen Infusionen.
  • Zeitaufwand: Eine Patientin bringt zur Übersetzung aus dem Russischen einen Dolmetscher mit. Die Beratung „über Eck“ verdoppelt den Zeitaufwand für das Gespräch.

So knapp wie diese drei Beispiele beschrieben sind sollte auch der zwingend in die Rechnung aufzunehmende Begründungstext sein. Selbstverständlich müssen die angegebenen Texte mit den Ereignissen und Abläufen übereinstimmen.

Dabei ist auch jeweils das Ausmaß zu benennen, in welchem die Leistung aus dem Rahmen fiel. Beispielsweise kann die Schwierigkeit leicht oder mittelgradig über dem Durchschnitt gelegen haben oder ein Eingriff außergewöhnlich schwierig gewesen sein.

Aufwand konkret benennen

Der dritte Teil eines Begründungstextes ist entscheidend: Es muss beschrieben werden, was genau besonders schwierig, zeitaufwändig oder von besonderen Umständen geprägt war. Allgemeine Texte wie „Überdurchschnittlicher Zeitaufwand“ oder „herausragende Qualifikation des Leistungserbringers“ alleine sind nutzlos. Wenn die Angaben in der Liquidation zunächst nicht genau waren, muss eine Begründung nämlich auf Verlangen des Patienten nochmals erläutert werden, der Zeitaufwand des Arztes dafür darf nicht unterschätzt werden!

Bei der Wahrheit bleiben

Wer regelmäßig „stets erfolgreiche“ Texte ohne Bezug zum Einzelfall anwendet und darüber hinaus stets denselben (meist den 3,5/2,5-fachen) Faktor berechnet, läuft Gefahr, der Falschabrechnung bezichtigt zu werden. Ärzte sollten die Begründungsmöglichkeiten nutzen, das ist im Rahmen der GOÄ ihr gutes Recht. Weil die GOÄ außerdem vorgibt, dass Ärzte ihr Honorar „nach billigem Ermessen“ gestalten sollen, erfüllen Sie mit dem Ausschöpfen der Begründungsmöglichkeiten auch eine Pflicht.

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Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.

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