Verträge für ambulante Behandlung?

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

"Nur was man schwarz auf weiß besitzt…" - diesen Hinweis Goethes konnten ambulant niedergelassene Ärzte in der Vergangenheit getrost beiseitelegen. Formal ist auch heute noch korrekt, dass ambulante Behandlungsverträge mündlich wirksam zustande kommen. Der Patient betritt die Praxis, erklärt dass er Beschwerden hat und behandelt werden will. Arzt und Praxispersonal erfüllen ihren Teil. So weit ist alles in Ordnung.

Schon diese dritte Variante muss unabhängig vom Versichertenstatus des Patienten schriftlich vereinbart werden. Gesetzlich versicherte Patienten, die IGeL mit Ärzten vereinbaren, müssen erklären, dass sie dafür auf die Leistungen ihrer GKV verzichten und sie nehmen zur Kenntnis, dass sie eine Rechnung nach der GOÄ erhalten werden. Das gilt für alle Leistungen, die auf individuellen Wunsch hin in dieser Praxis, als IGeL oder außerhalb der vertragsärztlichen Versorgung erbracht werden.  Weil IGeL auch bei privat versicherten Patienten über deren Vertragsschutz hinausgehen, müssen diese auch mit ihnen schriftlich vereinbart werden. In der Privatrechnung sind zudem Leistungen auf eigenen Wunsch als solche zu kennzeichnen.

Es kommt immer wieder vor, dass gesetzlich versicherte Patienten ihre Karte nicht vorliegen und dies trotz mehrfacher Erinnerung auch nicht nachholen. Dann haben Ärzte  das Recht,  direkt gegenüber dem Patienten nach der GOÄ abzurechnen. Früher kam es darüber immer wieder zum Streit: Patienten trugen vor, „irgendwann“ die Versichertenkarte nachgereicht zu haben. Oder sie behaupteten, über die Konsequenz einer GOÄ-Liquidation nicht informiert gewesen zu sein. In solchen Fällen ist es für Ärzte immer vorteilhaft, wenn sie den Patienten auf seine eigene schriftliche Erklärung verweisen können. Deshalb empfiehlt es sich, vom altbewährten Verfahren abzuweichen und auch für die ambulante Behandlung, besonders bei neuen oder unbekannten Patienten, einen schriftlichen Behandlungsvertrag abzuschließen.

Die Tatsache, dass schon aus medizinischen Gründen zu Beginn einer Arzt/Patientenbeziehung umfangreiche Daten erhoben, notiert und letztlich dokumentiert werden müssen, erleichtert einen schriftlichen Vertrag. Patienten, die sich erstmals oder nach längerer Pause in einer Praxis anmelden, kennen das Procedere. Sie werden nach aktueller Adresse, Geburtsdatum, Arbeitgeber und der Art ihrer Krankenversicherung gefragt. Auch sie müssen ihren Teil des Vertrags erfüllen und die Arztrechnung bezahlen.

Wer sich mit einer GKV-Karte ausweist, für den ist die Frage der Abrechnung erledigt. Wer IGeL beansprucht oder auf die vertragsärztliche Versorgung partiell verzichtet, weiß, dass eine Rechnung nach GOÄ auf ihn zukommt. Zum Schluss vieler schriftlicher Behandlungsverträge erklären die Patienten ihr Einverständnis, ein ordnungsgemäß nach GOÄ liquidiertes Honorar auch dann zu bezahlen, wenn es möglicherweise nicht von ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse erstattet wird. Der schriftliche Behandlungsvertrag ist für Ärzte und Patienten eine zusätzliche Sicherheit.

 

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.

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