Korrekte Analogabrechnung im Überblick

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Im GKV-Bereich werden die Leistungskataloge stets aktuell angepasst. Laufend werden vom gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) neue Positionen in den einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. Die GOÄ für den Bereich der Selbstzahler und Privatversicherten ist als Rechtsverordnung des Bundes in diesem Punkt nicht besonders flexibel. Aus diesem Grund müssen Ärzte Leistungen teilweise analog berechnen. Hierbei ist es wichtig, Möglichkeiten und Grenzen zu kennen.

Notwendigkeit von analogen Bewertungen

Eine Leistung ist entweder im Gebührenverzeichnis der GOÄ erfasst oder sie kann dem § 6 GOÄ folgend analog bewertet werden. Die ursprüngliche Fassung der GOÄ stammt aus dem Jahre 1982. Mit ihr wurde die Möglichkeit der analogen Bewertungen überhaupt erst eingeführt. Durch den medizinischen Fortschritt nimmt die Notwendigkeit für analoge Bewertungen mit dem Alter der GOÄ stetig zu.

Mit GOÄ § 6 neue Leistungen erfolgreich abrechnen

GOÄ § 6 ermöglicht es, Leistungen, die im Gebührenverzeichnis noch nicht enthalten sind, entsprechend der dort bereits vorhandenen Positionen zu bewerten. Nur wer den § 6 GOÄregelrecht anwendet, kann neue ärztliche Leistungen auf Dauer erfolgreich abrechnen.

Ein Beispiel: Die Akupunktur

Es muss sich um selbstständige ärztliche Leistungen handeln, die noch nicht im vorhandenen Gebührenverzeichnis der GOÄ stehen. Beispielhaft dafür steht die Akupunktur. Diese Leistungen gab es zwar schon vor 1982, sie waren im Gebührenverzeichnis aber noch nicht erfasst. Akupunktur wurde jedoch zunehmend erbracht. Deshalb war es notwendig, sie mehr und mehr analog abzurechnen. Schließlich wurden bei der letzten wesentlichen GOÄ-Novelle im Jahr 1996 die Positionen 269 und 269a offiziell in das Gebührenverzeichnis aufgenommen, nachdem diese Positionen in den Jahren zuvor regelrecht besonders häufig angewandt wurden.

Was bei der Analogbewertung beachtet werden muss

Wer nach einer Analogbewertung sucht, sollte die folgenden Fragen stellen:

  1. Ist die Leistung wirklich noch nicht im GOÄ-Gebührenverzeichnis enthalten?
  2. Mit welcher/welchen bereits vorhandenen GOÄ-Position(-en) kann die neue Leistung nach Art, Kosten-und Zeitaufwand verglichen werden?
  3. Gibt es für diese Analogbewertung bereits einen Vorschlag im Katalog der BÄK?

Wenn die beiden ersten Punkte erfüllt sind, ist es möglich, nach einer adäquaten Analogbewertung zu suchen. Grundsätzlich darf jeder Arzt eigene Analogbewertungen bilden. Die Suche danach wird durch einen Blick in die entsprechende Liste der Bundesärztekammer (siehe Website der BÄK) erleichtert. Ärzte und GOÄ-Experten arbeiten dort laufend an neuen analogen Bewertungen. Die Ergebnisse werden mehrmals jährlich im Deutschen Ärzteblatt und in den Nachrichten der Ärztekammern veröffentlicht oder sind der oben erwähnten Liste zu entnehmen. Sie sind zwar nicht „amtlich“, werden aber in Zweifelsfällen immer herangezogen. Auch Gerichte orientieren sich in Streitfällen daran.

Analogziffer auf gleicher Grundlage wie die Originalziffer

Was für die Originalversion der Ziffer aus der GOÄ gilt, ist auch für die Analogposition bindend. Wird zum Beispiel „A 618 H2 Atemtest … entsprechend 617…Gasanalyse in der Exspirationsluft…“ bewertet, kann dafür maximal der 2,5-fache GOÄ-Satz liquidiert werden, da die Originalziffer 617 als technische Leistung mit einem reduzierten Gebührenrahmen gilt. Folglich muss in der Rechnung schriftlich begründet werden, wenn der 1,8-fache Satz überschritten wird.

Nach den gängigen Regeln spielen

Wer allzu oberflächlich analog bewertet und dabei die Regeln „neue, selbstständige ärztliche Leistung, Gleichartig- und Gleichwertigkeit“ verletzt oder in der GOÄ bereits vorhandene Leistungen einfach neu betextet, kann sich dadurch strafbar machen.

Ein wichtiges Instrument

Der § 6 GOÄ ist die einzige Gelegenheit, neu entstandene Leistungen zu bewerten und rechtssicher zu liquidieren. Deshalb ist es im Sinn der ganzen Ärzteschaft, wenn mit diesem Instrument besonders sorgsam umgegangen wird…

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.

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