Eingehende neurologische Untersuchung

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Sie dürfen GOÄ-Nummer 800 abrechnen Immer wieder gibt es Irritation, weil Kostenträger behaupten, dass die GOÄ-Nummer nur von einem Facharzt für Neurologie abgerechnet werden dürfe. Diese Einschränkung und die dann verweigerte Erstattung der abgerechneten Position ist aber rechtlich nicht begründet.

Die Anzahl allgemeiner Untersuchungspositionen in der GOÄ ist überschaubar: Nummer 5 ist symptombezogen, 6 und 7 sind „vollständig“ im jeweiligen Körperabschnitt, Nummer 8 beschreibt den Ganzkörperstatus nebst orientierend neurologischer Untersuchung.

Bereits bei den GOÄ-Nummern 5, 6 und 7 lohnt es sich, auf das Kleingedruckte zu achten. Die GOÄ-Nummer 5 beschreibt nur ganz allgemein eine symptombezogene Untersuchung. Deren Spektrum reicht von der Inspektion einer kleinen Wunde an der Hautoberfläche bis zum Blick in den entzündeten Rachen, von der Kontrolle einer wenige Tage alten Wundnaht bis zum Insektenstich. Weiter ist GOÄ-Nr. 5 zu nutzen, wenn die Untersuchungen nach den GOÄ-Nummern 6 oder 7 nicht vollständig erfüllt wurden.

Die Besonderheit der GOÄ-Nummern 6 und 7 liegt darin, dass jeweils die „vollständige Untersuchung“ gefordert wird. In beiden Leistungstexten ist genau festgelegt, was mindestens untersucht worden sein muss, um Nummer 6 oder 7 abrechnen zu dürfen.

Die GOÄ-Position 6 nennt mehrere nah zusammenliegende Bereiche: alle Augenabschnitte, den gesamten HNO- Bereich, das stomatognathe System. Allerdings gehören zu Nummer 6 auch die Nieren und ableitenden Harnwege (bei Männern auch gegebenenfalls einschließlich der männlichen Geschlechtsorgane) oder die Erhebung des vollständigen Gefäßstatus. Weiter werden die einzelnen Untersuchungsschritte ebenfalls im Leistungstext definiert. Wird zum Beispiel der HNO-Bereich ohne eine Spiegelung des Kehlkopfes untersucht, kann dafür nur Nummer 5 GOÄ abgerechnet werden. Das Honorar für GOÄ-Nummer 6 liegt mit 13,41 € zum 2,3-fachen Satz nur ein Viertel über dem der Nummer 5.

Parallel dazu wird auch bei der GOÄ-Nummer 7 die vollständige Untersuchung gefordert, und zwar der folgenden Organsysteme: gesamtes Hauptorgan, Stütz- und Bewegungsorgane, alle Brustorgane, alle Bauchorgane, der gesamte weibliche Genitaltrakt (gegebenenfalls einschließlich Nieren und ableitenden Harnwege). Werden zum Beispiel bei den Stütz- und Bewegungsorganen die Reflexe nicht geprüft, kann ebenfalls nur Nummer 5 angesetzt werden. Das Honorar der Nummer 7 zum 2,3-fachen Satz liegt beim Doppelten der Nummer 5.

Für den Ganzkörperstatus nach Nummer 8 ist festgelegt, dass die gesamte Haut, die sichtbaren Schleimhäute, die Brust- und Bauchorgane, die Stütz- und Bewegungsorgane sowie orientierend neurologisch untersucht worden sein müssen, um den Inhalt vollständig zu erfüllen. Das bedeutet, dass neben der Nummer 8 die Nrn. 5, 6, 7 und 800 nicht berechnet werden können.

Was ist, wenn Allgemeinmediziner, Chirurgen, Hals-Nasen-Ohrenärzte oder Ärzte anderer Fachgebiete neurologisch untersuchen?

Eine eingehende neurologische Untersuchung nach Nr. 800 GOÄ kann jeder Arzt abrechnen, der sie erbracht hat. Dabei ist die Eigenschaft „eingehend“ bei Nr. 800 im Gegensatz zu „vollständig“ bei den Nummern 6 und 7 zu beachten. Der geforderte Umfang einer GOÄ 800 ist dann erfüllt, wenn drei der folgenden Parameter untersucht wurden: Hirnnerven, Reflexe, Motorik, Sensibilität, Koordination, extrapyramidales System, Vegetativum und hirnversorgende Gefäße. Dann kann Nr. 800 sogar gemeinsam mit den GOÄ-Nrn. 5, 6 und 7 (hier 3 Parameter ohne Reflexe) auch ohne den Facharztstatus „Neurologie“ abgerechnet werden.

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.

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