So berechnen Sie Auslagen richtig Teil II

  • |
  • GOÄ-Abrechnungstipps

Der Begriff der Auslagen nach § 10 GOÄ wurde im ersten Teil ausführlich erläutert. Das Thema ist für gut geführte Arztpraxen so wichtig, weil die Auslagen, die gegenüber Privatpatienten geltend gemacht werden, nur in der GOÄ-Rechnung gemeinsam mit den dazu gehörenden ärztlichen Leistungen liquidiert werden können. Wer vergisst, die Auslagen zu berechnen,  oder dem Thema keine Aufmerksamkeit schenkt, verliert viel Geld. Hier stehen heute einige nützliche Tipps für die richtige Auslagenberechnung.

Am häufigsten kommen Auslagen bei der Versorgung von Wunden und Frakturen, bei der Anästhesie, bei der Anlage von Verbänden vor. Im folgenden Beispiel lag eine offene Quetschwunde am Daumen vor. Der Patient wurde beraten und symptombezogen untersucht, die Quetschwunde wurde versorgt, das Daumengelenk wurde geschient.

Leistung Honorar 2,3 Auslage
1   10,72 €       0
5   10,72 €       0
2003   17,43 €      6,55 €
210   10,05 €      5,88 €
Summe   65,01 €   12,43 €

 

Die Auslagen machen in diesem Beispiel fast 20 % des Honorars aus.
Werden sie „vergessen“, können sie nicht nachträglich (oder  nur mit einem nicht vertretbaren Aufwand) in Rechnung gestellt werden.

In dem Beispiel dürfen die Positionen 2003 und 210 zusammen angesetzt werden, weil der Schienenverband einem anderen Zweck als dem der Wundabdeckung diente.Letztere gehört zur vollständigen Leistung nach Ziffer 2003. Da die Schiene einem anderen Zweck dient, kann sowohl das Honorar dafür als auch die Auslage für das Verbandmaterial berechnet werden.

Geht es um große Wunden, die teils genäht und/oder  umschnitten werden müssen, sind die Auslagen entsprechend höher. Und im Fall einer Anästhesie ist natürlich auch das Anästhetikum berechenbar. Meist kein großer Betrag, häufig fallen für gängige Narkosemittel zwischen 1,80€ und 2,80€ an.

Dabei werden die Kosten für das eingekaufte Gebinde durch die Anzahl der Anästhesien geteilt.
Übrigens verwehrt GOÄ § 10 Abs. 2, Satz 2 den Ärzten nur, Oberflächenanästhetika zu berechnen.

Für Wundversorgungen und für Anästhesien gilt, dass immer die konkret angewandten Materialien und Substanzen berechnet werden dürfen. Sind diese in Einzelfällen besonders teuer, weil zum Beispiel auf Unverträglichkeiten des Patienten geachtet werden muss, ist immer auch der höhere Auslagenbetrag ansetzbar.

Für alle Auslagen gilt wie für Arzthonorare auch, dass sie nicht pauschaliert werden dürfen. Hinweise in der Rechnung auf „Kosten- Aufwands- oder Materialpauschalen“ führen deshalb zu Recht zur Reklamation seitens der Patienten oder ihrer Kostenerstatter.

Es wird häufig gefragt, was der Unterschied zwischen großen und kleinen Wunden ist. Das ist weder in der GOÄ noch in den einschlägigen Kommentaren abschließend  festgelegt. Die folgende Praxis, die zuerst bei der Abrechnung gegenüber Berufsgenossenschaften angewandt wurde, hat sich bewährt:
Eine Wunde ist groß, wenn sie
-länger als 3 cm, oder
-in der Fläche größer als 4 cm²,
oder
-ein Volumen von mehr als 1 cm³ aufweist.

Für die Honorarabrechnung zählen alle Wunden am Kopf, am sichtbaren Teil des Halses und an den Händen als groß.
Und bei Kindern unter sechs Jahren gibt es die Ziffern 2000 bis 2002 für kleine Wunden  gar nicht.
In beiden Fällen gelten versorgte Wunden regelmäßig als groß.

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.