Labor-Schnelltests richtig abrechnen

  • |
  • GOÄ-Abrechnungstipps

Labor-Schnelltests, die prompte und zuverlässige Diagnosen unterstützen, werden in immer mehr Praxen angewandt. Doch bei den teils recht hohen Einstandspreisen für die Testmaterialien ist die Frage nach der richtigen Abrechnung unumgänglich.

Labor-Schnelltests, die prompte und zuverlässige Diagnosen unterstützen, werden in immer mehr Praxen angewandt. Doch bei den teils recht hohen Einstandspreisen für die Testmaterialien ist die Frage nach der richtigen Abrechnung unumgänglich. Schließlich wollen Ärzte, die ihren Patienten die „POCT“, Point-of-Care-Testing oder zu Deutsch patientennahe Labordiagnostik anbieten, keine Minusbeträge erwirtschaften.

Bei gesetzlich Versicherten gehören Schnelltests teilweise zu den „Wunschleistungen“ und werden daher als IGeL nach GOÄ abgerechnet – das gilt ebenso für privat versicherte Patienten. Aber ganz gleich, ob gesetzlich oder privat versichert, bei jeder Abrechnung einer derartigen Leistung stellt sich die Frage, welche GOÄ-Ziffer die richtige ist. Immerhin ermöglicht die GOÄ auf Basis ihrer Abrechnungsleitlinien – aus dem Jahr 1982 – so genannte Analogbewertungen für solche Schnelltests. So bestimmt § 6 der GOÄ, dass Leistungen, die (noch) nicht ins Gebührenverzeichnis aufgenommen sind, analog bewertet und abgerechnet werden dürfen. Wörtlich heißt es dort: „Selbständige ärztliche Leistungen, die in das Gebührenverzeichnis nicht aufgenommen sind, können entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses berechnet werden.“

Der Teufel steckt wie immer im Detail

So einfach ist es allerdings nicht: Einerseits werden Schnelltests in der Praxis und innerhalb einer kurzen Auswertezeit erbracht. Auf den ersten Blick wären sie damit innerhalb des Abschnitts „M 1“ der GOÄ richtig abgebildet. Leider stimmen dafür aber gleich zwei Voraussetzungen nicht: Erstens beschreibt „M 1“ keine Methode, die dem labortechnischen Prinzip der heutigen Point-of-Care-Diagnostik entspricht. Zweitens reicht die Spanne der in „M 1“ genannten Punktwerte von 50 bis 150 Punkte und liegt damit unter dem, was nach § 6 „Art, Kosten- und Zeitaufwand“ angemessen wäre. Denn „Kostenaufwand“ bedeutet auch, dass hohe Einkaufspreise für die Schnelltests berücksichtigt werden dürfen.

Andererseits können nach den §§ 4 und 10 die Kosten für eingekaufte und verbrauchte „Reagenzien“ nicht extra berechnet werden. Hier erlaubt es die Analogbewertung aber – mit Blick auf die Labormethode und das eingekaufte Testmaterial –, nach „Art, Kosten- und Zeitaufwand“ vergleichbare GOÄ-Positionen heranzuziehen. So können Schnelltests auch über die Addition zweier Laborziffern adäquat bewertet werden. Das berücksichtigt die hohen Einstandspreise für eingekaufte „Fertigtests“.

Die wichtigsten Schnelltests mit adäquaten Analogbewertungen auf einen Blick:

Schnelltest

Analogziffer(n)

Einfachsatz

M 2 PK + Hb A 3747 + A 3911.H3 10,49 € + 26,23 €
Troponin T quant. A 3732 11,66 €
Drogen-Schnelltest A 4211 8,74 €
NMP 22 Schnelltest A 3911 26,23 €
Strept-A Schnelltest A 4504 7,58 €
Influenza-Schnelltest A 4644 14,57 €
D-Dimere Testkassette A 3937 10,49 €

 

Der Ansatz höherer Faktoren (bei Labor zwischen 1,15 und 1,3-fach) kommt für die Schnelltests nicht in Frage, weil die einzig zulässigen Kriterien „Zeitaufwand, Schwierigkeit und Umstände bei der Ausführung“ bei Schnelltests grundsätzlich nicht greifen.

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.