Diabetes: Ärztliche Gespräche und Schulungen richtig abrechnen

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Gespräche, Beratungen, Einzel- sowie Gruppenschulungen von Patienten mit Diabetes sind in der GOÄ auf den ersten Blick nur spärlich vertreten. Aber selbstverständlich können die üblichen Beratungsziffern 1 und 3 (mindestens 10 Minuten Dauer) auch bei Diabetikern abgerechnet werden.

Diabetes kann lebensbedrohlich sein, ist in jedem Fall aber nachhaltig lebensverändernd. Schon aus diesem Grund kommt für die GOÄ-Abrechnung die Ziffer 34 in Betracht. Wenn die Krankheit erstmals festgestellt wird oder sich erheblich verschlimmert hat und das Gespräch mit dem Patienten mindestens 20 Minuten dauert, kann Ziffer 34 bis zu zweimal pro Halbjahr angesetzt werden. Fakultativer Bestandteil der Ziffer 34 ist ebenfalls das Gespräch mit Bezugspersonen. Findet dieses nicht statt, kann diese Leistung trotzdem berechnet werden.

Inhalt der GOÄ-Ziffer 33 sind Diabetes, Gestationsdiabetes und Z. n. Pankreatektomie. Eine Gesprächsdauer von mindestens 20 Minuten ist obligatorisch, allerdings kann diese Leistung im Jahr nur bis zu dreimal berechnet werden. Werden dazu standardisierte Fragebögen verwendet, sind diese im Umfang der Ziffer 33 enthalten und werden nicht extra vergütet. 

Wichtiger Unterschied zwischen Einzel- und Beratungsgesprächen in Gruppen

Alle ärztlichen Beratungsgespräche nach Ziffer 1, 3, 4, 33 und 34 müssen von Ärzten durchgeführt werden. Eine Delegation an Praxispersonal ist nicht möglich. Hingegen müssen Gruppenberatungen nach Ziffer 20 GOÄ nicht ausschließlich von Ärzten abgehalten werden. Selbstkontrolle der Blutzuckerwerte, das Erlernen der Insulin-Injektionstechnik, der Umgang mit Unterzuckerung, die Auswahl geeigneter Sportarten oder die richtige Ernährung sind nur einige Themen, die im Rahmen von Gruppenberatungen geschult werden können. Jedes dieser Gruppengespräche muss mindestens 50 Minuten dauern. Durch geschickte Organisation können an einem Tag mehrere solcher Gruppensitzungen nacheinander stattfinden. Der Vorteil für die Patienten liegt auf der Hand: Sie müssen nicht extra für jede Schulungseinheit in die Praxis kommen. Zudem können sie über einen Stundenplan auf die bevorstehenden Inhalte eingestimmt werden.

Die Gruppengespräche können zum Bespiel von Physiotherapeuten, speziell ausgebildeten Arzthelferinnen, Ernährungsberatern oder Sportwissenschaftlern abgehalten werden. Entsprechend § 1 der GOÄ müssen die Leistungen jedoch medizinisch notwendig sein. Sie gelten nach § 4 der GOÄ dann als eigene Leistungen von Ärzten, wenn diese die Aufsicht und fachliche Weisung gewährleisten.

 Privat versicherte Teilnehmer von Gruppensitzungen

Wenn an einer Gruppensitzung von vier bis zwölf Teilnehmern nur ein privat versicherter Diabetiker teilnimmt, kann einmal Ziffer 20 berechnet werden. Pro Unterrichtseinheit von mindestens 50 Minuten ergibt sich pro Teilnehmer ein Honorar von € 16,09 (2,3-facher GOÄ-Satz). Nehmen mehrere Privatpatienten an diesen Gruppenschulungen teil, kann pro weiterem Teilnehmer der gleiche Betrag berechnet werden. Pflicht ist allerdings eine Gruppengröße von vier bis zwölf Personen, unabhängig, ob sie gesetzlich oder privat versichert sind.

Zu guter Letzt sollten Ärzte nicht vergessen, die Auslagen z. B. für spezielle Lebensmittel, Broschüren, Handouts, Lehrmittel, Obst usw. den Teilnehmern entsprechend § 10 GOÄ in Rechnung zu stellen.

Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen.