Steigerungssätze richtig nutzen

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  • GOÄ-Abrechnungstipps

Vielen Ärzten und ihren Mitarbeitern sind nur die Mittel- oder auch Schwellenwerte bei der Abrechnung nach der GOÄ geläufig. Zum einen gibt es von diesen Werten Ausnahmen und zum anderen erlaubt die GOÄ nach § 5 bei den Steigerungssätzen unter genau definierten Vorgaben auch höhere Werte.

Der vom § 5 der GOÄ gesteckte Rahmen ist größer als die häufig ausschließlich verwendeten Mittelwerte. Ärztliche Leistungen können zwischen dem 2,3- und dem 3,5-fachen Satz, technische Leistungen zwischen dem 1,8- und dem 2,5-fachen Satz und Labor zwischen 1,15- und 1,3-fach berechnet werden, wenn dies in der Rechnung begründet wird. Grundsätzlich fordert die GOÄ nämlich, dass die Ärzte ihr Honorar „nach billigem Ermessen“, also „gerechtem Ermessen“ im Einzelfall selbst bestimmen. Diese Möglichkeit sollte, so lange die jetzige GOÄ noch gilt, auch ergriffen werden. Wird die Möglichkeit, mit einer Begründung ein höheres Honorar zu erreichen, in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht ausgeschöpft, könnte der Verordnungsgeber deren Notwendigkeit in Frage stellen und sie wegfallen lassen.

Nur drei Kriterien, nämlich „besondere Umstände bei der Ausführung“, medizinische „Schwierigkeit“, die sich auch in einem insgesamt schwierigen Krankheitsfall wiederfindet oder ein größerer „Zeitaufwand“ wirken sich auf die Honorarhöhe aus. Der § 5 der GOÄ nennt nur die drei  o.g. Möglichkeiten.  Das Verhältnis zwischen GOÄ-Honorar und Inflationsrate (seit über 20 Jahren sind die GOÄ- Beträge gleich) oder angewandte neue Technologien bzw. Zusatzqualifikationen der Ärzte sind keine verwendbaren Begründungskriterien. Das wiederum vereinfacht eine Konzentration auf die drei genannten Möglichkeiten.

Ärzte sollten sich die folgenden Fragen stellen:

  • Welches der drei genannten Kriterien ist erfüllt?
  • In welchem Maß übersteigen Zeitaufwand, Schwierigkeit oder Umstände den Durchschnitt?
  • Wie kann diese Überdurchschnittlichkeit beim einzelnen Patienten auf der Rechnung transparent nachgewiesen werden?

Weiter muss jeder Begründungtext auf den einzelnen Patienten passen und auf die vorgekommene Besonderheit hinweisen. Es ist besser, einen hohen Zeitaufwand – zum Beispiel zwölf Minuten für eine gewöhnliche Beratung – hinter dem erhöhten Faktor mit dem Hinweis „überdurchschnittlicher Zeitaufwand von zwölf Minuten“ zu begründen statt aufwändig zu beschreiben, warum das Gespräch so lange gedauert hat. Nach dem gleichen Prinzip ist beispielsweise die Schwierigkeit, eine äußerst stark verschmutzte Wunde zu versorgen oder der Umstand, dass die Beratung gedolmetscht werden musste, kurz und prägnant beschrieben. Ausschweifende Begründungstexte verfehlen indes meist ihr Ziel. Erstens benötigt der Verfasser zu viel Zeit, sie zu Papier zu bringen, zweitens ist damit zu rechnen, dass der Patient nach § 12 der GOÄ verlangt, ihm eine Begründung „verständlich und nachvollziehbar“ zu erläutern.

Leider ist es schon vorgekommen, dass Ärzte pauschal alle oder viele Leistungen höher bewertet haben. Waren die Begründungen dann nicht mit dem behandelten Einzelfall kompatibel, hatte das in  einigen Fällen straf- und berufsrechtliche Konsequenzen. Nutzen Ärzte aber die legalen Möglichkeiten des § 5 GOÄ und begründen nach § 12 GOÄ nachvollziehbar, sind sie auf der sicheren Seite.

Autor: Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement Büdingen Akademie der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen GmbH