Abrechnungstipp: Ziffern 1 und 4 richtig abrechnen

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Kostenträger beanstanden häufig, wenn Ärzte die Nummern 1 und 4 GOÄ nebeneinander abrechnen. Dieter Jentzsch, Abrechnungsexperte bei Büdingen Med, erklärt, wann beide Positionen parallel abgerechnet werden können.

Immer wieder wird moniert, wenn Ärzte für die Behandlung eines Patienten sowohl die GOÄ-Ziffer 4 als auch Ziffer 1 abrechnen. Dabei ist bereits durch die Leistungslegenden definiert, dass die Ziffer 1 nur für die direkte Beratung eines Patienten steht, während die Ziffer 4 sich auf die Unterweisung und Führung der Bezugsperson eines Kranken bezieht.

Für den Ansatz der Ziffer 1 ist entscheidend, dass ein Patient kommunikationsfähig ist. Wenn der Arzt zum Beispiel einen erwachsenen Patienten berät und zusätzlich einen Angehörigen „führt“- siehe Leistungslegende der Ziffer 4 – können die Leistungen 1 und 4 miteinander berechnet werden. Gleiches gilt für Kinder etwa ab sechs Jahren (Schulalter). Bei jüngeren Kindern muss beachtet werden, dass sich die Ziffern 1 und 4 teils überdecken und deshalb nicht doppelt abzurechnen sind.

Fragen kommen regelmäßig bei Kinderärzten auf. Säuglinge und Kleinkinder können noch nicht beraten werden. Also richten sich Anamneseerhebung, Beratung und Unterweisung bezüglich des weiteren Vorgehens an Mutter oder Vater. Dann kann einmal im Behandlungsfall Ziffer 4 abgerechnet werden, für jede weitere Beratung allerdings nur noch die Ziffer 1.

Die GOÄ hat die Ziffer 4 auf „einmal im Behandlungsfall“ begrenzt. Zur Erinnerung: In der GOÄ beginnt ein neuer Behandlungsfall nach der Formel „Folgemonat + 1 Tag“. Wird ein Patient am 1. Juli 2014 wegen der Krankheit „A“ behandelt, beginnt der neue Behandlungsfall wegen der gleichen Erkrankung bereits am 2. August 2014. Oder der Patient erkrankt noch im Juli ein weiteres Mal, dann handelt es sich wieder um einen neuen Behandlungsfall. Die „Führung der Bezugsperson“ kann auch bedeuten, dass mehrere Gespräche mit ihr nötig sind. Auch dann darf Ziffer 4 nur einmal berechnet werden.

Bezugspersonen sind nicht ausschließlich Familienangehörige. Auch eine Pflegekraft in einem Altenpflegeheim, die den Patienten nach ärztlicher Instruktion anleitet, gilt als Bezugsperson. Ärzte, die Patienten in Altenpflegeheimen oder  auf einer Pflegestation behandeln, sollten nicht vergessen, solche Unterweisungen zu dokumentieren. Nur dann können diese auch abgerechnet werden.

In der Natur der Ziffer 4 GOÄ liegt, dass die Gespräche nicht immer zeitgleich mit einer Beratung des Patienten oder einem Besuch bei ihm anfallen. Wer sie liquidieren will, muss sie immer im Zusammenhang mit der Behandlung des Kranken erbracht haben.

Kostenträger behaupten manchmal, es müsse ein „außergewöhnlicher Grund“ für die Nichtansprechbarkeit des Patienten vorgelegen haben. Diese Anforderung steht allerdings nicht in der Leistungslegende der Ziffer 4. Deshalb können Ärzte beide Ziffern ansetzen, wenn sie sowohl den Patienten beraten als auch eine Bezugsperson des Patienten im Zusammenhang mit seiner Behandlung geführt und/oder unterwiesen haben.

Autor: Dieter Jentzsch, Leiter Seminarmanagement